| Dr. Karl Dieter Zessin |
2009-03-31 11:18:57 |
Gewiß haben Sie, verehrter Meister Mander, die Aktualität dem Inhalt nach voll getroffen: Das Abfließen goldener fortzeugender Güter in ledernes, bloß herumrennendes Geld ( die literarische Erinnerung geht an Faust II Verse 6055 ff!!) Was aber mehr wiegt, ist für mich, dass Sie dafür die richtige, angemessene, wahre Form gefunden haben: Durchsichtig kommt das Thema ( Wirtschaftkriminalität ) heraus, springt drastisch über die Rampe, endet deutlich beim hörenden und schauenden Verständnis. Schnell wickelt sich Spule um Spule der Faktenfaden ab, schnell so schnell, dass der Doderische Fatologe unentschieden läßt, ob der Ichling Icht ein tragischer Schurke oder ein komischer Schlingel sei. Dermaßen regiert die Form mit Tempo, Schwung und Rhytmus.
Jetzt habe ich aus einer längeren Betrachtung im Voraus zitiert, die diesen Rahmen hier sprengen würde. |
| Dr. Leopold Stieger |
2009-03-30 09:36:11 |
| "Ledergeld" oder "Der zerreißbare Schuldschein" (von Matthias Mander)ist ein Meisterwerk, um zeitgenössische Fehlentwicklungen durch eine literarische Bearbeitung allen Zusehern tief unter die Haut zu bringen. Klarer kann man es sich nicht vorstellen - und sollte zur Pflichtveranstaltung aller, die an der heutigen Situation mitgewirkt haben, gemacht werden. Ich wünsche dem Autor und den Schauspielern, dass sie zu vielen Firmenevents geladen werden - denn besser kann man Corporate Governance und CSR nicht begründen. Es gehört nach dieser Aufführungsserie wieder in das Programm der Freien Bühne Wieden. |
| Prof. Peter Fleissner |
2009-03-25 16:40:34 |
Gestern Abend hatten wir das Vergnügen, das Drama "Ledergeld" oder "Der unzerreissbare Schuldschein" von Matthias Mander zu erleben.
Aber das Lachen über die kleinen Späße, die sich durch das Werk ziehen, bleibt einem im Halse stecken, wenn im Kontrast dazu scherenschnittartig in chronologischer Reihenfolge die krisenschwangeren Zusammenhänge der heutigen Ökonomie enthüllt werden. Ein Industriebetrieb aus der Wiener Gründerzeit mit starken Wurzeln in der handwerklichen Idylle wird von einem Sanierungsgewinnler als Objekt der Begierde auserkoren - mit buchstäblich tödlichen Folgen. Die unterschiedlichen Positionen der beteiligten Menschen werden in den entsprechenden Rollenzuweisungen herausgearbeitet und in ihrer Subjektivität, aber auch mit den objektiven Auswirkungen ihrer jeweiligen Entscheidungen dargestellt: Der Unternehmer, das obere Management, die Sekretärin, der Betriebsrat, der Praktikant, die Karrierefrau, die Finanzheuschrecke. Ein Lehrstück der politischen Ökonomie der Gegenwart.
Dabei wirkt der beschrieben Fall des abgewickelten Unternehmens so authentisch, dass ich im Internet nach den Taborwerken suchte: Ich wurde fündig: allerdings nur auf der homepage der Freien Bühne Wieden. |
| Prof. Gerhard Seicht |
2009-03-25 15:16:52 |
"Ledergeld" oder "Der zerreißbare Schuldschein" (von Matthias Mander) ist ein packendes Theaterstück, das typisch gewordene Verhaltensweisen aus der modernen Industrie- und Bankenwelt thematisiert.
Der Habgier von Bankern und von "Sanierern", die sich zur Tarnung das Mäntelchen von "Sanierern" umhängen, in Wirklichkeit jedoch eiskalte Liquidierer sind, fallen traditionsreiche Industriebetriebe zum Opfer. Der Kapitalrentabilität, der Aktienkurspflege und der Bonisgeilheit von Managern werden skrupellos abertausende Arbeitsplätze und organisch gewachsene und bewährte Kombinationen von Produktionsfaktoren geopfert.
Die großen Gewinne werden heute nämlich nicht mehr in der Realwirtschaft durch Güterproduktion, sondern mit undurchschaubaren Transaktionen in einer virtuellen Finanzwirtschaft erzielt.
Hingabe ans Werk, Fleiß und Wirtschaftsethik haben keinen Stellenwert mehr. "Investmentbanker", Hedgefonds, "Heuschrecken" und "Ausbeinler" machen den goldenen Schnitt, bereichern sich bis zur Obszönität und lassen in der Realwirtschaft Wüstungen zurück.
Matthias Mander ist ein schafsinniger und unbestechlicher Beobachter, der aus langjähriger eigener Wahrnehmung spannend und sachkundig zu erzählen versteht.
"Ledergeld" oder "Der unzerreißbare Schuldschein" ist ein gelungenes, packendes Theaterstück, das von hervorragenden Schauspielern und Schauspielerinnen gespielt wird, die ihre Rollen in überzeugender Weise zu verkörpern verstehen.
Die Inszenierung verzichtet dankenswerterweise auf modernistischen Regie-Schnick-Schnack und hebt sich auch dadurch überaus wohltuend von dem ab, was heutzutage auf den "großen" Bühnen geboten zu werden pflegt. |
| Prof. Helmut F. Karner |
2009-03-19 22:14:28 |
Zu Matthias Manders "Ledergeld", Premiere am 17/3/09.
Gerade vom Theater zurückgekehrt, drängt es mich, Ihnen noch einiges zu sagen:
Es war großartig!
Eine hohe Erwartung wurde noch übertroffen:
• Ich habe sehr genau zugehört, und habe kein falsches Wort, keinen falschen Ausdruck, keinen einzigen falschen Zusammenhang betriebswirtschaftlich und finanzwirtschaftlich gehört. Das zeigt Ihre ungeheure intellektuell redliche Vorarbeit und beeindruckende Fitneß in komplexen finanzwirtschaftlichen Themen
• Sie haben die Stilmittel des Dichters und Dramatikers genützt, um viel intensiver und überzeugender (als dies alle Journalisten und Intellektuellen können) diese Umstände anzukreiden. Damit werden Sie viel bewegen – dazu muss das Stück noch in viel größere Häuser und ins Ausland!
Und außerdem haben Sie eine schöne Vision einer gerechten Wirtschaft durchscheinen lassen. Knapp, aber gerade deswegen berührend.
• Sie haben es geschafft, das Ensemble zu elektrisieren und betroffen zu machen, so daß die nicht ein Stück abgespielt haben, sondern voll eine Identität in der Darstellung gefunden haben.
• Die Paradoxie des Schlusses hat wahrscheinlich nicht die beruhigende Wirkung eines „Happy End“, sondern genau die nachdenklich machende über manche Aussichtslosigkeiten in diesem falschen Betriebssystem.
Sie haben meiner Frau und mir einen hochklassigen, spannenden, berührenden und betroffen machenden Abend geschenkt.
Dafür vielen Dank!
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| Susanne Peschina |
2009-01-14 13:43:25 |
Lieber Gerald,
dass der in seinen Ansprüchen an menschliche, moralische und politische Integrität - von seinen Mitarbeitern und den zeitlichen Entwicklungen - enttäuschte, köstlich menschliche Kreisky doch nicht deine letzte Bühnenfigur für die Bühne Wieden sein möge, hoffe ich doch stark.
All diese Figuren, - ob Schnitzler, Sindelar, Mahler, Robert Stolz etc. - die in den letzten Jahren so munter in diesem kleinen Raum und Rahmen zu Leben begannen, haben an diesen Abenden die oft überlappenden Situationen von Ruhm und Angst, öffentlicher Bewunderung und privater Verlassenheit,etc., einfach zwischen Sein und Schein gezeigt.
Also lass diese einzigartige "Schiene" in der Wiener Theaterwelt nicht verrosten und mache bald wieder weiter!
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| Angela Selucky |
2008-09-15 21:02:52 |
Ich hatte das Vergnügen, und das war es wirklich, das in der Freien Bühne Wieden nun am Programm stehende Stück „ROBERT STOLZ UND HERMANN LEOPOLDI“ schon bei den Sommerfestspielen auf Schloss Sitzenberg zu sehen. Ich freue mich schon sehr, dieses Stück auch in der Freien Bühne zu besuchen. Besonders hervorzuheben waren für mich der Charme und Witz der einzelnen Charaktere, die die Schauspieler großartig verkörperten, ganz besonders aber die verwandlungsfähige Michaela Ehrenstein. Aber auch die Tiefgründigkeit kommt in diesem Stück nicht zu kurz.
Wiederum ein tolles Stück von Gerald Szyszkowitz, ein großes "Bravo" an das gesamte Team inklusive den Musikern.
Für dieses Stück und für die neue Saison ALLES GUTE, stets ein volles Haus und möget Ihr alle daran genau so große Freude haben wie Euer Publikum.
Herzlichst, Angela Selucky
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| Dr. Helmut Ramharter |
2008-03-19 02:36:48 |
Sehr geehrter Herr Unger! Ihr ehemaliger Zahnarzt hat heute Ihr Stück "Die ""Komödie"" von der Gier gesehen und sich mit Freude an seinen lieben Patienten und Reisegefährten in Aghios Nikolaos erinnert. Ich war beeindruckt und bin noch ganz aufgewühlt von diesem originellen Stück. Kompliment, auch von meiner Frau, auf diesem Wege ein Applaus für den Dichter!
PS: Bleiben Sie bitte, im Gegensatz zu mir, noch recht lange im "Unruhestand"!
Die Kunst des Ensembles war, wie gewohnt, mitreissend.
Die Musik war alles andere als nur Untermalung.
Danke für diesen wertvollen Abend. Dr. Helmut Ramharter. |
| Ulrike List |
2008-02-03 12:14:35 |
Das Stück hat uns sehr gut gefallen, auch die Ausführung durch die Schauspieler.
Sehenswert war allerdings auch der Szenenwechsel, wie elegant die Sessel geschwungen wurden, da war keine Bewegung zuviel, alles schien perfekt durchdacht - also, bitte das nächste Mal auch diesen Mann "vor den Vorhang"!
Alles in allem - ein sehr gelungener Abend, danke!
Ulrike und Richard List |
| Ingeborg u. Peter Lauscher |
2008-01-29 17:33:20 |
Verehrter Intendant!
Wie schön es doch ist, wenn man, ohne das Gefühl gutherzig zu schmeicheln, offenherzig schmeicheln kann!
Dieses tue ich hiermit:
Einen wunderschönen, informativen und unterhaltsamen Abend hat uns das sympathische und professionelle Team dieses Schmuckstücktheaters wieder einmal beschert!
Die hervorragenden Texte, angehaucht vom Schillerschen Genie, die begabten Künstler und das Ganze harmonisch verwoben durch das Musikensemble war einem ehrliche Freude und dafür bedanken sich die
Lauscher´s
Das Stück sollte ich noch erwähnen: Schiller und die Schwestern Lengefeld |
| Christa und Herbert Grunsky |
2008-01-28 09:32:26 |
Wieder ein schöner Abend in der Freien Bühne Wieden, diesmal bei "Schiller und den Schwestern Lengefeld". Es ist immer wieder eine Freude, das ambitionierte Ensemble zu genießen. Selbst Krankheit und die damit verbundene, übrigens sehr professionelle Lesung der Rolle, konnte der Vorstellung keinen Abbruch tun.
Wir freuen uns auf das nächste Stück!
Christa und Herbert Grunsky
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| Nera Nicol |
2007-04-02 11:30:39 |
Ihre Uraufführung von ´Wofür halten Sie mich´ von Erika Mitterer
ist eine wundervolle Aufführung!
Ihre Nera Nicol
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| franz hütterer |
2007-03-10 19:44:31 |
sehr geehrter herr szyszkowitz!
arbeite mit amateurtheatergruppen und kabaretts und
habe mit viel interesse ihre notizen der "wiener dramaturgie" gelesen.
und habe mir fest vorgenommen ihr theater und ihre seite in hinkunft öfter zu besuchen
mit freundlichen grüßen
f. h. |
| elisabeth parth |
2007-03-04 14:43:31 |
| sehr geehrter herr direktor, lieber gerald: gratulation und herzlichen dank dir und deinem ensemble- es war ein wundervoller abend! ich habe das stück, die aufführung, die atmosphäre- einfach alles genossen! liebe grüsse, freu mich schon auf das nächste stück, elisabeth parth |
| Kurt Wagner |
2007-02-20 10:01:36 |
Herzlichen Dank für den wunderschönen Abend
und weiterhin viel Glück und Erfolg
mit dem Theater!
Kurt Wagner
Gemeinderat
am 13. 2. 2007
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| Fritz und Susi Poppmeier |
2007-02-20 10:00:46 |
Alle Schauspieler haben uns sehr gut gefallen,
besonders aber die ´Wirtin´.
am 13. 2. 2007
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| Elisabeth Urbancic |
2007-02-04 17:03:37 |
Ein wunderbares Stück und eine großartige Aufführung.
1.2.2007 |
| TASS |
2007-01-04 14:32:57 |
Венскl 0;й театр намерk 7;н заявиm 0;ь о себе в Москвk 7; постаl 5;овкой двух одноаl 2;тных пьес начинk 2;ющего драмаm 0;урга из Россиl 0;
ВЕНА, 17 ноябрn 3;. /Корр. ИТАР-Т
40;СС Юрий Козлоk 4;/. Постаl 5;овкой двух одноаl 2;тных пьес «Чехов. Вена» и «Чехов. Цунамl 0;» начинk 2;ющего россиl 1;ского драмаm 0;урга Андреn 3; Иваноk 4;ского намерk 7;н заявиm 0;ь о себе в Москвk 7; «Свобо
76;ный театр Виден» из Вены. Гастрl 6;ли будут коротl 2;ими – всего два спектk 2;кля, которm 9;е пройдm 1;т в ближаl 1;шую пятниm 4;у и суббоm 0;у на немецl 2;ом языке в одном из залов музея Станиl 9;лавск 086;го. Тем не менее художk 7;ствен 085;ый руковl 6;дител 100; и главнm 9;й режисl 9;ер венскl 6;го театрk 2; Гералn 0;д Шишкоk 4;иц надееm 0;ся на успех.
Виден – один из районl 6;в австрl 0;йской столиm 4;ы, которm 9;й имеет давниk 7; театрk 2;льные корни. Именнl 6; здесь в свое время состоn 3;лась премьk 7;ра знамеl 5;итой оперы Моцарm 0;а «Волше
73;ная флейтk 2;». Зданиk 7; театрk 2;, где прошлk 2; эта премьk 7;ра, давно снесеl 5;о, но назваl 5;ия прилеk 5;ающих переуl 3;ков и улиц по-пре
78;нему напомl 0;нают о главнm 9;х герояm 3; и авторk 2;х этого великl 6;го музыкk 2;льног 086; произk 4;едени 103;.
«Свобо дный театр Виден» сущесm 0;вует более 30 лет, из которm 9;х послеk 6;ние семь лет им руковl 6;дит Гералn 0;д Шишкоk 4;иц. «Свобо
76;ным» он был назваl 5; для того, чтобы подчеl 8;кнуть свою полнуn 2; самосm 0;оятел 100;ность в выборk 7; реперm 0;уара и незавl 0;симос 090;ь от культm 1;рной админl 0;страц 080;и городk 2;. Театрk 2; берет для постаl 5;овки толькl 6; те произk 4;едени 103;, которm 9;е еще нигде и никогk 6;а не ставиl 3;ись на сцене. Степеl 5;ь извесm 0;ности авторk 2; особоl 1; роли не играеm 0;.
«С Андреk 7;м Иваноk 4;ским нас свел случаl 1;, и этот случаl 1; обернm 1;лся удачеl 1;, - признk 2;лся в беседk 7; с корр. ИТАР-Т
40;СС Гералn 0;д Шишкоk 4;иц. – Обе пьесы соверm 6;енно непохl 6;жи друг на друга, но мы рискнm 1;ли соедиl 5;ить их вместk 7;, и спектk 2;кль получl 0;лся. Взыскk 2;тельн 072;я венскk 2;я публиl 2;а оказаl 3;ась доволn 0;на, а строгl 0;е театрk 2;льные критиl 2;и награk 6;или нас весьмk 2; лестнm 9;ми реценk 9;иями». «Перес
82;азыва 1090;ь содерk 8;ание пьес не имеет смыслk 2;, - продоl 3;жал Шишкоk 4;иц. – Скажу лишь, что спектk 2;кль понраk 4;ился и тем, кто являеm 0;ся стороl 5;ником серьеk 9;ного отношk 7;ния к Чеховm 1;, и тем, кто придеl 8;живае 090;ся горазk 6;о менее строгl 0;х правиl 3;».
ÜBERSETZUNG
TASS
KULTUR * ÖSTERREICH * RUSSLAND * THEATER *
Wiener Theater stellte Stücke angehenden russischen Autors in Moskau vor.
MOSKAU, 17. November (ITAR-TASS-Korr. Vera Stscherbakowa)
Das Wiener Theater Freie Bühne Wieden hat am Freitag zwei Stücke eines angehenden russischen Dramatikers in Moskau vorgestellt.
Der Autor, Andrej Iwanowski, ist Reporter und Übersetzer, heute ist er Moskauer Korrespondent des angesehenen österreichischen Wochenmagazins „profil". Zu seinem Stück „Tschechow. Tsunami" wurde er von den tragischen Ereignissen 2004 in Thailand inspiriert, deren Zeuge er war. In diesem Stück sind der heutige Alltag, die Naturgewalt und Gedanken über das Schaffen des großen russischen Schriftstellers auf eine originelle Weise miteinander verflochten.
Der Chefregisseur des Theaters, Gerald Szyszkowitz, wollte das Stück für seine Freie Bühne haben - dazu musste es aber nicht nur ins Deutsche übersetzt, sondern auch... um ein zweites Stück erweitert werden. Dieses letztere sollte einen klaren Österreich-Bezug haben. So entstand „Tschechow. Wien" - eine Geschichte, deren Grundlage eine bekannte Tatsache lieferte: Die erste Europa-Reise des russischen Klassikers begann eben mit einem Besuch in der österreichischen Hauptstadt. „Die Geschichte darüber, wie sich Tschechows Bekanntschaft mit Wien von Siegmund Freud und Johann Strauß abspielen konnte, ist frei erfunden, sie ergibt aber in vieler Hinsicht aus realen Briefen Anton Pawlowitschs", sagte Andrej Iwanowski in einem ITAR-TASS-Gespräch.
Das Produkt der Zusammenarbeit des Wiener Theaters und des russischen Autors wurde zunächst in Österreich vorgestellt, wo „Tschechow. Wien" und „Tschechow. Tsunami" lobende Pressestimmen ernteten.
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| Jorg Hesse |
2007-01-04 14:31:11 |
Tschechow. Wien. In Moskau.
Seine erste Europa-Reise beginnt der junge russische Erfolgsautor in Wien. Historiker wissen über diese drei Tage nichts zu berichten. Denn Tschechow, der manchmal sogar sein Intimleben freizügig in Briefen offenbart, schweigt diesmal. Aus solchen Tagen sind die weißen Flecken der Geschichte gestrickt, jenes wahre Gewand, das wir nicht wahrnehmen, weil wir es nicht begreifen können.
Historiker, die Kriminalisten der vergangenen Tage, dürfen nur bewiesene Fakten handhaben. Verantwortungslos wäre ein „Es könnte so gewesen sein!“ Dies bleibt dem Erzähler vorbehalten, Tschechow eben oder seinem Kollegen im Handwerk – Andrej Iwanowski.
Aus Phantasie, Tschechow-Zitaten, liebenswerter Erotik und Keck zaubert der Moskauer Autor unserer Zeit den Tschechow jener Zeit auf die Bühne. Und jener, drei Tage große, weiße Fleck in der Biographie funkelt plötzlich brillant-farbenprächtig, als hätte es anders gar nicht gewesen sein können.
Tschechow lernt beim ersten Spaziergang die Komödiantin Charlotte kennen. Die junge Dame liest aus den Karten in Tschechows Zukunft und lehrt ihn dabei ein wenig Zauberei. Und ganz zufällig bezaubert sie Tschechow damit. Das ist seinem Reisebegleiter, dem russischen Verleger Suworin, überhaupt nicht recht. Der hat eine junge Tochter zu Hause, sucht eine gute Partie für das Kind.
Aber der seriöse Schriftsteller in Tschechow und dieser Luftikus in der Liebe brauchen einander, in der Geschichte von damals wie in der Erzählung unserer Tage.
Als ob die Erzählung nicht phantastisch genug wäre. Die reale Geschichte um ihre Entstehung ist fast kitschig: Der Moskauer Andrej Ivanowski, schreibt zunächst eine intellektuelle Spielerei auf Deutsch. Wenig später eine zweite Erzählung. Der Stoff selbst schreit nach einer Bühne – es werden zwei Stücke. Doch eine Komödie über Russlands Ikone Tschechow im fernen Wien, von einem wenig bekannten Autor verfasst, auf Deutsch, frisch, frech, ohne jede Verbeugung vor der Autorität – ein solches Stück hat auf Moskaus Bühne keine Chance.
Da kommt – wie ein Wunder – ein Anlass dem Autor zu Hilfe, ein Anlass, wie ihn Europäer immer brauchen, wenn sie Gutes unternehmen wollen. In Wien stellt Gerald Szyszkowitz „Tschechow“ auf die Freie Bühne Wieden, eine Biografie in Theater-Bildern. Auch findet sich ein Jemand, der beides verknüpft, die Freie Bühne und den fernen Autor. Und als des Wunders dritter Teil gelingt es Michaela Ehrenstein, Gerhard Rühmkorf und Johannes Kaiser den historischen Figuren lebendige Brillanz zu verleihen.
Die ewig-fremde russische Mentalität im modernen Wien überzeugend darzustellen, mag gelingen. Wer wollte denn die Prüfung abnehmen?
Aber in Moskau? Ein Wiener, der in Moskau Tschechow auf Deutsch spielt!? Nach dem Erfolg zu Hause wagt sich die Truppe zum Gastspiel in die russische Hauptstadt, vor ein Publikum, das im Umgang mit eigener Geschichte anspruchsvoll ist.
Und wenn schon Moskau, dann muss es auch das Stanislawskij-Haus sein, auf dem Parkett, das Tschechow selbst bestimmt betreten … hätte!
Die Kenner ihres Meisters flüstern zwar in der ersten Minute: „Sieht Tschechow aber gar nicht ähnlich“. Wenig später ist das vergessen. Die Schauspieler weben mit Charme, Temperament und Witz das Publikum in den Stoff ein, umgarnen es wie mit feiner Seide mit ihrer, mit Tschechows Geschichte. So bleibt letztlich kaum ein Zweifel: „Ja. So könnte es gewesen sein!“
Eingestimmt auf Zauberei, Unglaubliches und Übersinnliches kehrt das Publikum aus der Pause zum Zweiten Stück zurück.
In „Tschechow. Tsunami“ erzählt Ivanowski eine ganz gewöhnliche Geschichte. Eine junge Frau, Schauspielerin, kehrt am Silvesterabend aus Thailand nach Moskau zurück. Sie hatte Glück gehabt, der Tsunami (von 2004) hat nur ihren Koffer mit allen Habseligkeiten in den Ozean gespült. Knapp der Katastrophe entronnen, nimmt sie dies gelassen als eins der Wunder, aus denen halt die Wirklichkeit in Russland gestrickt ist.
Nicht so ihr Begleiter, der alternde Regisseur und Bewunderer ihrer – auch der schauspielerischen – Künste. Der versteht sehr wohl den Wink des Allmächtigen, und welche Sünden wohl gemeint sind. Mit gewohnter Halbherzigkeit beginnt er Reue zu leben – solange seine Gespielin unter der Dusche ist.
Als Teil der abgehobenen höheren Gesellschaft, weiß er, dass die üblichen Normen ihn nur zur Hälfte betreffen, die Vergnügungen dagegen um ein Vielfaches. Seine Wirklichkeit sind die Intrigen und Egoismus, wirklicher Kampf ums Überleben ist ihm fremd.
Erst als seine Gespielin ganz nebenbei erzählt, wie sie ein Jahr zuvor den Bombenanschlag auf die Untergrundbahn mit kleinen Blessuren überlebt hat, wird er nachdenklich. Süffisant erfragt er die Einzelheiten, um dann sein neues Leben gleich noch einmal zu beginnen.
Die Seltsamkeiten im Haus, eine Überschwemmung von oben, ein prophetischer Telefonanruf und unerwartete Gäste, sind aus dem realen Moskauer Leben abgeschrieben. Auch dass in der russischen Neujahrsnacht Väterchen Frost kleine Wunder vollbringt, ist normal.
Wirklich erstaunlich dagegen ist Lilli Margarethe Schwabe! Wohl kaum eine Russin könnte eine junge russische Schauspielerin so eindeutig spielen. Da stimmt einfach alles, sogar die allzu schnelle Sprache, die manchen Worten nur die ersten und die letzten Laute gönnt. Gerhard Rühmkorf bringt die ignorante Halbintelligenz des Regisseurs wiederum brillant dem Publikum dar wie zuvor den Tschechow. Und Johannes Kaiser könnte in Moskau gewiss überall als Väterchen Frost mit Wodka plus Salzgurken kleine Wunder vollbringen.
Es ist Silvesternacht. Da werden Wunder wahr: Der Regisseur bekommt den krönenden Abschluss seiner Karriere. Er darf Tschechow spielen. Der Allmächtige erfüllt ihm diesen Wunsch, als seinen letzten.
Die junge Dame erhält ihren Koffer zurück, nass, aber mit Rock, Handy und Führerschein. Clever begreift sie das Wunder als Chance, ihr neues Jahr mit dem liebsten Wanja zu beginnen. Das Moskauer Publikum weiß, dass solches zur Silvesternacht geschehen kann. Jedenfalls hat es so geschehen können.
Die Wiener Freie Bühne Wieden hat Tschechow aus Wien nach Moskau zurückgebracht, mit ihm den Moskauer Andrej Ivanowski. Wundervoll.
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